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Blogpost #02

Tagebuch- Eintrag, vom 04.09.2021

Mein größter Fehler?!

Ich war damals Studentin, da sah ich eine Diskussion, im öffentlich rechtlichen Fernsehen, zwischen Alice Schwarzer und der damals berühmtesten Prostituierten Felicitas Schirow. Ich hatte zu dieser Zeit bereits öfters selbst über Prostitution nach gedacht. Scherzhaft sprachen wir drüber, unter Freunden und Freundinnen. Befürworter der Idee gab es immer. Die meisten Männer, im Leben, allerdings, die ich traf, diejenigen, die mit mir schlafen wollten, die wollten mich nicht als Hure sehen. Diese sahen mich lieber, als anständige Frau, mit der sie schlafen wollten. Ich verstand es damals nicht. Waren die dumm oder waren die geizig? Als Hure hätte ich doch problemlos, mit ihnen schlafen, können, aber wenn ich keine Hure bin, dann kann ich natürlich nicht unkompliziert, mit Männern schlafen. Was verstanden die nicht?

„Bitte nicht an den Zoo!“

Ich war zwölf, als ich „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ zum ersten Mal gelesen habe. Bevor ich nach Berlin zog, sagte meine Mutter, deshalb fast flehend, zu mir: „Alex, das, mit den Drogen, das haben wir akzeptiert. Aber bitte, bitte nicht an den Zoo!“

Meine Mutter sagte das deshalb zu mir, weil ich, Zeit meines Lebens, kein Buch so oft gelesen hatte, wie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo.“ Ich habe dieses Buch geliebt. Ich wollte immer nach Berlin. Ihr müsst wissen, ich war 14, saß in Aachen, auf dem Gymnasium. Ich habe dieses vollkommen durchschnittliche und langweilige Leben geführt, in dem man jeden Tag in die Schule geht, man ein reguliertes Leben führt. Anschließend studiert und arbeitet man, heiratet, Kinder kriegt, alles vorgeplant, während das Leben irgendwie, an einem vorbei, zieht. Während man stattdessen eigentlich, die schönsten Vorstellungen und Träume von seinem Leben hat und man immer auf diesen einen Moment gewartet hat, in dem man endlich bereit ist, los zu lassen und den Absprung zu riskieren.

Mit 14 Jahren war Christiane F. heroinabhängig und stand, auf dem Babystrich, in Berlin. Zu Zeiten, als die Berliner Mauer noch stand und David Bowie, in Berlin, lebte. Welch aufregende Zeiten, das wohl gewesen sein müssen?! Ich hingegen, ich saß mit 14, jungfräulich, im Klassenzimmer, in Physik, in einem Gymnasium, in Aachen und ich träumte davon, auf Drogen, auf ein David Bowie Konzert, in Berlin, zu gehen. Ich wollte immer nach Berlin und ich war zwölf, als ich das erste Mal stolz, zu meiner Mutter sagte: „Mama, ich werde eine Hure am Bahnhof- Zoo.“

Kein Sorge, es war nicht mein einziger Traum. Ich wollte ein kolumbianischer Mafiosi sein, eine Oscar – Gewinnerin, eine Prinzessin, Ariel – die Meerjungfrau; eine Nobelpreisträgerin, Archäologin, Künstlerin, Philosophin, Politikerin, Schauspielerin, aber eben auch, immer schon, eine Hure am Zoo. Und so kam es also, dass es das Letzte war, vor meiner Abreise, nach Berlin, was meine Mutter zu mir sagte: „Alex, bitte nicht an den Zoo.“

Ich denke, es erfreut euch zu hören, dass ich bislang nicht am Zoo stand. Ich hatte, durch die Zeit, im Hanfmuseum Berlin, zwar die Möglichkeit in Aussicht gestellt bekommen, Christiane F. einmal persönlich kennen zu lernen, aber wie man mir dort sagte: „Seine Idole, die sollte man besser nicht kennen lernen. Und die Alte erst Recht nicht.“ Ich musste damals sehr lachen, aber ich glaubte es, aufs Wort. Weswegen ich Christiane F., bis zum heutigen Tage, leider bzw. wahrscheinlich doch eher Gott-sei- Dank, nicht getroffen habe, obwohl sie mein Leben doch so maßgeblich beeinflusst hat. Ich war ihr größter Fan.

Ähnliches gilt für Felicitas Schirow. Durch meine Zeit, in Berlin, hatte ich zwar die Gelegenheit, per Messenger, Kontakt herzustellen und sie hat mich sogar eingeladen, mit ihr zu telefonieren. Das allerdings sehr früh am Morgen. Zu einer Zeit, in der ich sehr nacht- aktiv unterwegs war. Niemals hätte ich es, zu der Zeit, geschafft, früh am morgen, mit Felicitas Schirow, zu telefonieren. Auch wenn ich es zwischenzeitlich immer wieder mal bereut habe. So oder so, bleibt es dabei, es war das Gespräch zwischen Felicitas Schirow und Alice Schwarzer, in meiner Studentenzeit, welches mich nachhaltig geprägt hat. Ich weiß heute noch, wie toll ich Felicitas Schirow damals fand und wie wütend ich auf Alice Schwarzer war.

Das änderte sich, in dem Moment, als ich dann tatsächlich Prostituierte war. Augenblicklich war ich der größte Alice Schwarzer Fan, den es je ,auf dieser Welt, gegeben hatte. Ich liebe Alice Schwarzer und das hat seinen Grund. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich, über mich selbst schwarz geärgert habe, dass ich so dumm gewesen bin, den Argumenten einer Frau, die mit 17 Jahren, in die Prostitution, eingestiegen ist, mehr glauben zu schenken, als denen einer studierten und gebildeten Frau, wie Alice Schwarzer. Was hatte ich mir nur gedacht?

Wer hoch fliegt, der riskiert, tief zu fallen.

Plötzlich wollte ich nur noch mein Leben zurück. Ein Leben, in dem „Hurensohn“ noch eine Beleidigung war. Meine liebste Beleidigung sogar und nicht die mögliche, zukünftige Realität, meines, bis dato, ungewollten und ungeborenen Sohnes. Sollte ich jemals schwanger werden und ich bekomme einen Sohn, wie sollte ich das je wieder gut machen können, bei dem Kind? Von einem, auf den anderen Tag, war ich plötzlich keine Frau mehr. Nur noch eine Hure. Was einst so spaßig begann, stellte mein Leben massivst, auf den Kopf und überforderte mich total. Was hatte ich mir selbst nur angetan?

Ich war damals frisch nach Berlin gezogen und ich bin in diese tierisch große Wohnung, mit linker- anarchistischer- poly- Nichtstuer- WG, am Rande von Berlin, eingezogen. Ich arbeitete damals als Kellnerin und ich weiß noch genau, wie der Koch des Cafes‘, mich auf eine Frau, unter den Gästen, hinwies, von der er annahm, sie wäre eine Hure. Den Koch amüsierte das. Wie ich es aber auch drehte und wendete, die Jenige, die die Hure, als Kellnerin, bedienen musste, die war ich. Die Hure musste dem Mann dienen, aber die Bedingung der Hure, die war, an diesem Abend, ganz klar, ich. Und während ich das dreckige Geschirr spülte, stellte ich mir vor, wie gerne ich doch, in dem Moment, mit dieser Hure getauscht hätte, die gerade lecker essen war, sich von mir bedienen lässt und gleich vögelt, während ich ungebumst Geschirr spülen musste und die Gäste, bis spät in die Nacht, bedienen musste.

Irgendwo zwischen Acid und Goa und einer Menge Gras, traf ich dann, während einer Party, im Club, auf Sheila. Sheila, war die tatsächlich erste Prostituierte, in meinem Leben, die mir persönlich begegnete. Sonntags morgens, in der Sonne, aufm Goa- Floor, nachdem wir die Nacht exzessiv gefeiert hatten. Wir mochten einander sofort und ich war hochgradig interessiert an Sheilas Geschichte. Sie bestätigte mir, dass, von allen Frauen, die sie jemals getroffen hätte und die interessiert, an ihren Beruf, gewesen wären, keine so begeistert gewesen wäre, wie ich. Und das war auch so. Ich wollte immer eine Hure sein, solange ich zurück denken kann. Und ich erzählte ihr selbstverständlich, von meiner Liebe, zu den Kindern vom Bahnhof Zoo, meinen Vorstellungen, Träumen und Illusionen. Das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, das hatte Sheila leider nicht gelesen, aber wir blieben in Kontakt. Wir gingen zusammen picknicken, im Park und wir teilten die Liebe zu Goa, Acid und Pilzen. Wir verabredeten uns, gemeinsam, als Huren ins Hotel zu gehen, um Männer aufzureißen. Dazu kam es leider nicht. Wir zerstritten uns. Als ich Sheila, das letzte Mal, sah, war sie dabei ihre Koffer zu packen und zu verreisen. Sie hatte die Schnauze voll, von alle dem und wollte einfach nur raus, aus Deutschland. Ich gönnte es ihr. Von Sheila bekam ich mein erstes schwarzes Lederkleid und schwarze Pumps.

Ich sah gut aus. Ich war schlank, ich habe mir einen Lebenstraum erfüllt und damals, mit Drogen*, mein Geld verdient und mir schien, tatsächlich, die Sonne, aus dem Arsch, zu scheinen. Wenn es dem Esel allerdings zu gut geht, dann begibt er sich aufs Eis und so wollte ich mehr von diesem frivolen und freien Leben, welches ich führte. Nichts war wichtig, Hauptsache ich musste nicht weiter Lohnarbeiten und kellnern gehen. Und weil ich die Rolle der Pusherin*, welche mein großer Traum war, nun schon sehr lange gelebt und durch gezogen hatte, war es Zeit, für eine Persönlichkeitsentwicklung. Denn so langsam wollte ich raus, aus der Illegalität. Und so musste ich nur den ersten Dummen finden, der bereit war, mir viel Geld, für Sex zu zahlen und ich fand ihn mühelos. Im Bahn- Bordbistro. Dort habe ich ihn ausgespäht. Es war nicht schwer, weswegen er nicht der einzige Mann blieb, den ich, in Folge, in der Bahn, aufgerissen haben werde. Keine Ahnung, wieso andere Frauen sich in überteuerte Bordelle setzen, wenn man doch überall, auf der Welt, Männer findet. Ich musste ihn einfach nur, auf mich aufmerksam machen, *blink- blink* machen und ihm erzählen, dass ich eine teure Hure wäre. Ich gab ihm meine Nummer. Zwei Wochenenden später, wurde ich dann tatsächlich zur teuren Hure.

Thats how the story begins: Fake it, till you make it.“

Alex- das Mädchen der Freude

Danach musste ich nicht mehr lügen, sondern ich musste es nur noch verbreiten. Wenn man den Ball einmal ins Rollen bringt, dann läuft er und mit jedem weiteren Male, steigerte sich mein Selbstbewusstsein, wie von Zauberhand. Alles war gut, solange es gut war.

Doch die Zeiten änderten sich. Ein kleiner Windstoß da, eine weitere schwarze Katze, die dir von links, über den Weg, läuft; ein Übergriff hier, Diskriminierung dort. Plötzlich war ich keine Frau mehr. Jetzt war ich eine Hure. Eine Hure, in einer huren – verachtenden Welt und es gab so vieles, was ich noch hinzu lernen würde.

Fast dreißig Jahre lang, habe ich, in dieser Gesellschaft, gelebt. Ich bin hier aufgewachsen, bin hier zur Schule gegangen, ich habe hier studiert, gearbeitet, geliebt, gelebt, Freunde gewonnen und verloren. Ich dachte, ich wüsste bereits alles und ich hätte schon alles erlebt, was man erleben könnte. Ich dachte, ich wüsste alles, dabei hatte ich doch nicht mal den Hauch einer Ahnung davon, dass ich überhaupt, in einer patriarchalen Welt, lebe. Ich fühlte mich selbstsicher und attraktiv, in meiner Haut. Feminismus ging mir am Arsch vorbei. Denn ich hatte doch von Geburt an, jegliche Rechte, die ein Mann auch hat. Wozu brauchte ich Feminismus? Aber plötzlich, da war meine Welt, wie auf den Kopf gestellt. Denn wenn man es in der Prostitution nicht bemerkt, dann bemerkt man es überhaupt nicht mehr. Fast dreißig Jahre lang hatte ich die patriarchale Struktur nicht mal mitbekommen. Plötzlich war es für mich nicht mehr zu übersehen, mein sozialer Status hatte sich verändert und meine Selbstsicherheit, die war wie weggeblasen. Ich fühlte mich plötzlich nur noch, wie der Sith- Lord des kapitalistischen Systems. War ich doch kurz zuvor noch, der Auserwählte ,unter den Jedi, gewesen. Was hatte ich mir nur dabei gedacht, eine Hure sein zu wollen?

Selbst wenn ich offline war und ich alleine im Bett lag, dröhnte und donnerte plötzlich nur noch das Wort „Prostitution“, durch meinen Kopf. Wie ein schwarzer Balken, hämmerte es, in meinem Kopf, hinein und ließ mich einfach nicht mehr los. „Du hast dich als Hure geoutet!!!“, realisierte ich immer mehr. Was sollte ich bloß tun?

Ich wollte immer, eine Hure sein. In dem Moment, allerdings, als ich eine Hure war, da wollte ich plötzlich alles andere, nur keine Hure mehr sein. Aber es war zu spät. Ich konnte es nicht mehr Rückgängig machen. Das Stigma ist zu mächtig. Selbst wenn von heute an keuch lebe und ich gehe in fünfzig Jahren zum Klassentreffen, dann wird es heißen: „Da kommt Alex, die Hure.“ Weswegen ich also das Einzige tat, was wohl jeder an meiner Stelle getan hätte. Das Einzige, was mir noch übrig blieb. Ich legte mich ins Bett, zog mir meine Decke, über den Kopf und fiel erst einmal, in einen komatösen Dornröschen- Schlaf. Hoffend, dass das alles irgendwie an mir vorbei ziehen würde.

Heute nenne ich es Stigma – Kicken. Dieses Gefühl, welches mich langsam zusammen sacken lässt, bevor es mich endgültig zu Boden reißt. Gepaart, mit diesem schwer- lastenden, immer wiederkehrenden Gedanken der Prostitution, der durch meinen Kopf hämmert. Es holte mich bereits mehr als einmal ein. Mein Magen zieht sich zusammen und mir wird schlecht. Was einst so spaßig und einfach begann, begann meine Psyche mehr und mehr zu strapazieren.

Das Hurenstigma ist eine extreme Form des Slutshamings.

Das Stigma der Hure resultiert nicht daraus, dass eine Frau Geld erwirtschaftet, wie alle anderen auch. Sondern die Ächtung der Hure existiert aufgrund der Ächtung der weiblichen Sexualität, in einer patriarchalen Gesellschaft. Welche von Kopf bis Fuß, auf die Sexualität des Mannes ausgerichtet ist. Das Stigma der Hure ist eine extreme Form des Slut- Shamings und resultiert nicht aus der Ächtung des Geldes, sondern es resultiert aus dem abwertenden „Pfui- eine- Frau- hat- Sex“- Gedanken. Der vom Wesen her anders ist, als wenn ein Mann Sex hat. Vereinfacht dargestellt: Der Mann nimmt, die Frau gibt bzw. sie wird genommen. Der Mann, der Sex, mit einer fremden Frau, hat, der hat alles richtig gemacht. Eine Frau, die Sex mit fremden Männern hat, diese ist ein Opfer, eine Sünderin, eine Psychopathin. „Ein Weg zum Scheitern verurteilt.“, kommentierte mein Vater damals meine Entscheidung.

Das Wort „Hure“ als negative Bezeichnung galt ursprünglich noch nicht mal, den sich prostituierenden Frauen, sondern es galt jenen Frauen, die entgegen der Vorstellung der katholischen Kirche, mehrere Geschlechtspartner hatten. So wie ich das auch haben wollte. Aber darin liegt ,in den monotheistischen Weltreligionen, nun einmal die Sünde.

Im antiken Griechenland, zu Entstehungszeiten der Prostitution, war das noch anders. Die Hetären des antiken Griechenlandes, waren hoch angesehene Bürgerinnen. Die Ehefrau durfte damals keinen Besitz haben. Die Hetäre war die einzige Frau, die im antiken Griechenland, Geld, wie ein Mann erwirtschaften, konnte, was ihr ein hohes Ansehen bescherte. Zudem genossen die Hetären Bildung. Weswegen man zweifelsohne behaupten kann, dass die ersten emanzipierten Frauen der Weltgeschichte, die Hetären des antiken Griechenlandes waren. Denn diese hatten ihren eigenen Besitz, im Gegensatz zu allen anderen Frauen der Welt.

Die Ächtung der Hure, wie wir sie heute immer noch kennen, diese entsteht erst viele Jahre später, durch die monotheistischen Weltreligionen. Die Hure ist quasi das genaue Gegenteil zur Jungfrau Maria, die so „rein“/ gereinigt vom Sex ist, dass sie sogar ein Kind gebären könnte, ohne Sex haben zu müssen. Sie ist die höchste Frau in der katholischen Kirche. Ihr Gegenstück, das sind die Huren, wie man sie in Sodom und Gomorrha findet.

Ähnlich ist es auch im Islam. Als Moslem ist es nicht erlaubt zu töten. Es sei denn natürlich, deine Tochter hat Sex. Dann gilt sie als „Hure“, die die Familienehre zerstört hat und dann ist es dir erlaubt deinen Sohn loszuschicken, um sie zu töten. *Jallah Jallah* Denn die Tochter hatte nun einmal Sex und damit ist sie eine, zum Abschuß, freigegebene Hure. Das ist einfach nur Wahnsinn und misogyn, aber so ist es leider. Die Religionen haben noch immer einen enormen, irrationalen Einfluss, auf die Menschheit.

Nieder den monotheistischen Weltreligionen.

Jede Gewalt, die einer Hure angetan wird, ist Gewalt, an einer Frau. Jede Gewalt, die einer Frau angetan wird, richtet sich zumeist gegen die versinnbildlichte „Hure“. Denn, wie wir alle wissen, ist der Begriff Hure nicht ausschließlich eine Berufsbezeichnung, sondern er ist DER abwertende Begriff, für eine Frau.

Weswegen ich das Wort „Hure“ eigentlich sehr gerne mag und es für mich so annehmen konnte. Verletzend ist nur, was ich als verletzend empfinde. Als Hure bezeichnet zu werden, verletzt mich nicht. Das erregt mich, denn der Begriff Hure ist für mich synonym weiblicher Urkraft, gepaart mit eisener Faust.

Ich lasse mir nicht, von einer Horde, patriarchal- denkender und paternalistischer Kinderficker, aus Rom, die sich heute selbst immer noch, für die aller höchste, von Gott- gesandte, moralische Instanz hält, während sie zeitgleich die Aufklärung, der intern begangenen Missbrauchsfälle, an Kindern, verhindert, sagen, dass meine Sexualität unmoralisch wäre. Auch dann bzw. vor allem dann nicht, wenn ich einen Trottel finde, der mir dafür Geld gibt. Verzeihung, ich meinte natürlich einen Kunden.

Eine Hure, eine promiskuitive Frau und Verführerin also, die entgegen der Moral der katholischen Kirche lebt, diese bin ich schon immer gerne gewesen. Dabei empfinde ich mich selbst als rebellisch, verrucht, kraftvoll und verspielt. Es macht mich fast stolz, dass man mich in Saudi Arabien steinigen würde, weil ich nicht nach Vorstellung des Islams oder der Sharia lebe. Eine Hure und ein unbändiger Geist zu sein, das erfüllt mich mit Würde. In die Tradition, der verwegenen, unbändigen und verdammten Frauen dieser Welt; dieser Hexen und Huren also, die man im Mittelalter, auf dem Scheiterhaufen, verbrannt hätte, in diese Tradition der Frauen, trete ich gerne. Eine „Sexarbeiterin“ hingegen, diese wollte ich niemals sein. Von dem Wort alleine bekomme ich Albträume. 

Wer hats erfunden?

Das Wort Sexarbeit ist ein politischer Begriff, der erfunden und geprägt wurde, durch die US- Amerikanerin und ehemalige Prostituierte Carol Leigh. Der Begriff soll dazu beitragen, den Dienstleistungscharakter der Tätigkeit, hervorzuheben, um somit der Stigmatisierung und der Gewalt entgegen zu wirken, die die Frauen, in der Prostitution, durch die Männer erfahren.

Eine Prostituierte lebt eine 100 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit ermordet zu werden, als eine gewöhnliche Frau. Wie erfreulich für mich. Weswegen mir die Idee den Begriff „Sexarbeit“, um der Gewalt und dem Stigma, entgegen zu wirken, zunächst vernünftig für mich klang. Dabei ist der Begriff „Sexarbeit“, zeit seines Entstehens, dazu verdammt, in die „Euphemismus- Tretmühle“ zu geraten.

Die Euphemismus- Tretmühle.

Die Euphemismus- Tretmühle ist eine sprachwissenschaftliche Hypothese, welche besagt, dass jeder Euphemismus (hier Sexarbeit statt Prostitution)  irgendwann durch Pejorisierung (eine Bedeutungsverschlechterung eines neutralen sprachlichen Ausdrucks im Zuge des Bedeutungswandels) jede negative Konnotation seines Vorgängerausdrucks (Prostitution (auch in Verbindung mit Gewalt)) annehmen wird, solange sich die tatsächlichen Verhältnisse nicht verändern.

Es ist also absolut Unnütz den Begriff Sexarbeit, statt Prostitution zu verwenden, solange sich die Verhältnisse in der Prostitution nicht ändern.

Aus diesem Grund werde ich den Begriff “Sexarbeit” also zukünftig nicht mehr verwenden werde. Es nützt nichts und ich will mich nicht länger zum Idioten machen. Denn der Begriff Sexarbeit erzeugt, meiner Meinung nach, eine falsche Balance. Er soll Recht schaffen, tatsächlich aber verschleiert er Gewalt, auch weil durch den Begriff sehr viele unterschiedliche Dienstleistungen subsummiert werden. Vom Fotoverkauf ,bis über den Escort, bi hin zum Laufhaus. Der Begriff Sexarbeit verschleiert einen gesamten Komplex, zu Ungunsten der Frauenbewegung. Denn der Begriff Sexarbeit erzeugt, meiner Meinung nach, eine falsche Balance. Die gesamte Bordellstruktur, mit Dumpingpreisen von 50 Euro, während die Frauen 160 Euro fürs Zimmer bezahlen, ist nicht tragbar, durch selbstbestimmte Arbeiterinnen. Und so wie ich das sehe, ist es nicht die selbstbestimmte Prostitution, die sprachliche Präzision benötigt, sondern es ist der Menschhandel zwecks sexueller Ausbeutung, die Vergewaltigungen und die Gewalterfahrungen, die als solche präziser benannt werden müssen und eben nicht verschleiert werden dürfen, durch den Begriff Prostitution oder Sexarbeit. 

Aus meiner Sicht heraus habe ich allerdings das Gefühl dass ausgerechnet die sogenannten “Sexworkorganisationen” selbst, tatsächlich, am Allerwenigsten, daran interessiert zu sein scheinen, die Gesamt-Verhältnisse, in der Prostitution, verändern zu wollen. Denen geht es scheinbar ausschließlich, um den eigenen Privilegien- Erhalt, ihrer privilegierten Mitglieder, so mein Eindruck. Über 90 Prozent der Frauen, in der deutschen Prostitution, die kommen nicht aus Deutschland, sondern die kommen, aus den Armenländern Osteuropas und Afrikas und das sind keine weißen, akademisch- gebildeten Bordellbetreiberinnen und Escort- Chefinnen, wie man sie beim BesD findet.

Erst dieses Wochenende gab es eine Konferenz in Stuttgart, durch den BesD, in der man ausführlich, über die Lebensrealitäten, der Frauen, in der Prostitution, sprechen wollte. Der Menschenhandel allerdings, der war noch nicht mal ein eigener Diskussionspunkt, bei über 90 Prozent gehandelter und einem maßgeblichen Teil, zum Sex gezwungenen Frauen, aus den Armenländern Osteuropas und Afrikas. „Wir wollen ausführlich über die Lebensrealitäten der Frauen, in der Prostitution sprechen.“, so das Motto, der Konferenz. Bei soviel Ignoranz kann man tatsächlich nur mit dem Kopfschütteln.

Solidarität zu den Opfern und ein unbändiger Wille, den Menschenhandel zu thematisieren und bekämpfen zu wollen, den sehe ich bei diesen Frauen des BesD leider nicht, bzw. wenn dann sehr selten. Nicht einmal am Tag, gegen den Menschenhandel, wird dieser durch Vereine, wie den BesD, thematisiert oder drauf aufmerksam gemacht, dass es weltweit wesentlich mehr Sexsklavinnen, als selbstbestimmte Huren gibt. Alleine in Indien sind es 2 Millionen Frauen.

Wie die Aktivistin Elly Arrow einwandfrei analysiert hat, war es sogar eine Sexwork- Organisation (Tampep), aus Italien, die Broschüren erstellt hat, die Menschenhandelsopfer zu „migrantischen Arbeiterinnen“ verklärt hat. Obwohl es sich um Frauen handelte, denen die Pässe abgenommen wurden und die zur Prostitution gezwungen wurden sind. Durch die Sexwork- Organisation (!), wurden diese Opfer von massiver Gewalt, die entgegen der eigenen Menschenrechte, zum Sex gezwungen werden, zu „Arbeiterinnen“ verklärt. Damit möchte ich mich absolut nicht gemein machen.

Erst neulich berichtete der „Jasmin liebt dich Account“, auf Twitter, von einer „Kollegin mit Zuhälter.“ Selbst auf meine Nachfrage hin, ob sie wissen würde, was ein Zuhälter wäre und ob sie verstehen würde, dass die Zuhälterei in Deutschland verboten ist, weil es eine schwere Straftat, gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist, der dem Begriff der selbstbestimmten „Sexarbeit“ konträr gegenüber steht, erkannte sie ihren Fehler nicht. „In diesem speziellen Fall, wäre es halt was anders.“, entgegnete sie mir.

Der „Jasmin liebt dich“ Account hat 45.000 Follower, darunter jedes einzelne Mitglied des BesD‘ und kein Einziger hat widersprochen, als Jasmin Frauen, die von Zuhältern, zum Sex gezwungen werden, entgegen ihrer eigenen Selbstbestimmung, zu „Kolleginnen“ verklärt hat.

Der Begriff „Sexarbeit“ ist das Messer, im Rücken, einer jeden zum Sex gezwungenen und gehandelten Frau, auf dieser Welt. Der Begriff „Sexarbeit“ ist „White- Feminism“ in seiner ekelhaftesten Abscheulichkeit und ich schäme mich dafür, dass ich ihn überhaupt jemals verwendet habe.

Damit sage ich ausdrücklich nicht, dass Huren keine Arbeitsrechte oder gar Schutz bedürften. Brauchen sie. Und ich will damit auch nicht sagen, dass eine Hure zu sein, keine Arbeit für mich bedeutet hätte, das hat es. Allerdings schützt und entstigmatisiert der Begriff „Sexarbeit“ die Frauen, in der weltweiten Prostitution, nicht, sondern er legitimiert die Zuhälter, die Menschenhändler und die ausbeuterischen Bordellbetreiber, weltweit.

Wer die Gewalt, gegen die Frauen, in der Prostitution, bekämpfen und die Lebensumstände der Frauen verbessern möchte, der muss den Menschenhandel, die weltweite Sexsklaverei, sowie die ausbeuterischen Verhältnisse, in der Prostitution, thematisieren und diese maximal bekämpfen wollen und der darf keinen Euphemismus betreiben. Im Interesse der gezwungenen Frauen, ebenso wie im Interesse der selbstbestimmten Huren.

Es ist nichts solidarisches daran, die eigene Selbstbestimmtheit allen anderen Frauen, in der Prostitution, weltweit aufs Auge drücken zu wollen und Opfer von Gewalt sprachlich als „Kolleginnen“ zu deframen.

Ich will nicht verwechselt werden, mit einer entrechteten Frau aus Indien, die ,entgegen jeglicher Selbstbestimmung, bereits im Bordell, in die Prostitution, hineingeboren wurde und die niemals selbst eine eigene Entscheidung diesbzgl. getroffen hat. Ich bin ein Mensch, mit Menschenwürde und mit Menschenrechten und als solcher möchte ich auf gar keinen Fall, dass meine Selbstbestimmung, Menschenhandelsopfern und Sexsklavinnen sprachlich angelastet werden und die Menschenrechtsverletzungen, im Bereich der Prostitution, verbagatellisiert werden, durch den Begriff der „Sexarbeit“.

Solange es auch nur eine einzige tolerierte Sexsklavin, sowie Menschrechtsverletzung, in den deutschen Bordellen gibt, solange wird sich keine Einzige von uns, ihrer Rechte jemals wirklich gewahr sein können. Das sollte klar sein. Deshalb, sage ich klar. Schluß mit Euphemismus und Kampf dem Menschenhandel.

In Indien eignen sich die Zuhälter jetzt den Begriff „Sexarbeit“ an. Das muss man sich mal reinziehen. Denn Sklavenhandel bedeutet Arbeit, für die Männer. Der Begriff Sexarbeit stammt nicht von den 2 Millionen Frauen aus Indien, die zum Teil bereits in den Bordellen und in die Prostitution reingeboren werden und niemals eine selbst bestimmte Entscheidung im Leben treffen konnten. Er stammt auch nicht, von den über 90 Prozent Rumäninnen und Bulgarinnen, in diesem Land, die den Großteil der Prostitution ausmachen und er stammt auch nicht von den Afrikanerinnen, die zum Sex gehandelt und gezwungenen werden. Nein. Er stammt auch in Deutschland von deutschen Bordellbetreiberinnen und Betreibern, die den Begriff gerne etabliert gehabt hätten. Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit der Prostituierten, den Bordellbetreibern gegenüber, gelingt es nicht den Verein der „Sexarbeiterinnen“, in Deutschland, ohne männliche Betreiber zu gründen, welche den Verein der „Arbeiterinnen“ gerne gegründet gesehen hätten. Wie kommt das?

Und so lese ich nun also, in den Zeitungen und verbreitet, durch die Sexwork- Organisationen, dass „die größte Sexarbeitsorganisation, der Welt, aus Indien stammt“. Ich finde das ungeheuerlich und ich fühle ich mich verarscht. Die Frauen in Indien werden, in der untersten Kaste, in die Prostitution, reingeboren oder aus den Nachbardörfern entführt. Die haben noch niemals, im Leben, eine selbst bestimmte Entscheidung getroffen. Und es ist nun mal nicht gleichgestellt, ob eine Frau ,wie Undine de Revier, die hier, in Deutschland, mit allen Menschenrechten der Welt, geboren wurde, die Physik studiert hat und die sich dann entschließt sich selbst ein Studio einzurichten, mit einer Frau in Indien, die als Sexsklavin ins Bordell geboren wurde. Trotzdem lese ich, von „der größten Sexarbeitsorganisation der Welt, aus Indien stammend“, verbreitet durch die akademisch- gebildeten Frauen, beim Berufsverband der „Sexarbeiterinnen“.

Nachdem ich selbst zwei Webseiten erstellt habe, unzählige YouTube- Tutorials geguckt habe, um WordPress zu lernen, nachdem ich alleine für die Domina 60 Seiten Konzept geschrieben habe, mit unterschiedlichen Spielen, Aufgaben und Ideen, für die Herren der Schöpfung, nachdem ich ein Buchhaltungssystem erstellt habe, Excel gelernt habe, Logo, Texte, AGBen, Zeichnungen, Visitenkarten, Webseite, Leistungsangebot, Finanzplanungstabellen, Zielgruppenanalyse, Studioraum, etc. pp. erstellt habe, nachdem ich meine eigene Peitsche geflochten habe, Peitschen Training hatte, Knoten gelernt habe, Bücher über „weibliche Dominanz“ und „männliche erogene Zonen“ gelesen habe, angefangen habe zu fotografieren, nachdem ich mehrere (!) Klagen vorm Sozialgericht einreichen musste, wegen Diskriminierung und mich zusätzlich noch mit dem Fotografen ärgern musste, liegt es natürlich nicht in meinem Interesse, euch einzureden eine Hure zu sein, würde keine Arbeit bedeuten. Das tut es. Für mich.

Aber ich bin nicht die Norm. Oder was denkt ihr, wie viele der über 90 Prozent Osteuropäerinnen und Afrikanerinnen, in Deutschland, in der Prostitution, haben ihre eigene AGBen geschrieben? Deren Lebensrealität und die meine, die sind nicht im Ansatz vergleichbar, geschweige den, dass sie irgendwie gleich wären. Ich kenne meine Rechte, die meisten Frauen in der Prostitution kennen diese nicht und selbst, wenn sie sie kennen würden, es nützte ihnen offensichtlich bislang nicht viel. Denn Zuhälter sind Kriminelle.

Und diese entrechteten Frauen, diese sind die Mehrheit, in der Prostitution. Nicht ich, die privilegierte, weiße, im System integrierte, deutsche Frau. Und das ist, seit den Tagen, in der Antike, so. Die Hetären, im antiken Griechenland, die Hure Alexander des Großen, die hatte ein angenehmes Leben. Die Sexsklavinnen, in den Bordellen des antiken Griechenlandes, diese hatten das nicht. Und die gesamte Bordellstruktur, so wie wir sie heute kennen, wird, Zeit ihres Bestehens, von Sklavinnen und nicht von selbst bestimmten Frauen getragen. Rede dir das nicht ein. In der Antike gab es dreimal mehr Sklaven als Bürger.

Ohne meine eigene Existenz, als selbstbestimmte Hure, leugnen zu wollen, aber wenn ich das doch weiß, dass meine Realität nicht maßgeblich ist, mit was, für einem Recht, also, verzerre ich das Narrativ, der selbstbestimmten „Sexarbeiterin“, in Abgrenzung zur „Sexsklavin“, an die, ich ,in seiner Gesamtheit, selbst nichtmal glaube?

Geprägt wurde der Begriff „Sexarbeit“, von einer weißen, offensichtlich im System integrierten US- Amerikanerin und ehemaligen selbstbestimmten Prostituierten, für die die Tätigkeit der Prostitution mit Sicherheit Arbeit bedeutet hat.

Allerdings schützt und entstigmatisiert der Begriff die Frauen nicht, wie von Carol Leigh angenommen, sondern er trägt ausschließlich dazu bei das ausbeuterische frauenverachtende Zuhälter- und Betreibersystem, als Arbeit, zu etablieren. Er soll vermeintlich Rechte schaffen, doch er verschleiert nun mal auch Gewalt.

Und so sind es in Indien die Zuhälter und ausbeuterischen Betreiber, die sich selbst als Sexarbeiter bezeichnen. Die Sexsklavinnen lehnen den Begriff ab. Denn das Letzte, was die brauchen ist, dass die Tätigkeit ihres Sklavenhalters, von uns hier im Westen, als Arbeit legitimiert wird, entgegen deren Menschenrechtsverletzungen. Was die Sexsklavinnen brauchen ist, dass die Sexsklaverei als Menschenrechtsverletzung benannt und bekämpft wird und nicht als Arbeit verklärt wird.

In einer britischen Zeitschrift war neulich bereits sogar von „Children- Sexwork“ zu lesen. Da wurde mir ehrlich schlecht bei. Es gibt keine Kinder- Sexarbeit. Das ist sexueller Missbrauch an Kindern und ich schäme mich dafür, dass ich dazu beigetragen habe, den Begriff der „Sexarbeit“ zu verbreiten.

Ich bin eine Hure und die bleibe ich auch. Ein freier und unbändiger Geist. Eine „Sexarbeiterin“ hingegen, diese wollte ich nie sein. Weswegen ich den Begriff heute kategorisch ablehne und es als einen meiner größten Fehler betrachte, den Begriff jemals verwendet und verbreitet zu haben. Mein feministisches Herz blutet und ich schäme mich. Der Begriff „Sexarbeit“ entstigmatisiert nicht, sondern er verschleiert die Gewalt, in der Prostitution und zu nichts Anderem führt er. Es ist nicht die Prostitution, die einen neuen Namen braucht. Es sind die Bedingungen, die sich ändern müssen. Und damit das geschehen kann, muss man diese Bedingungen erst auch einmal richtig benennen und nicht per Euphemismus beschönigen wollen. So sehe ich das.

to be continued…

#KampfDemMenschenhandelSowieDerWeltweitenSexsklaverei

*Alle eventuell begangenen Straftaten sind mittlerweile verjährt. Ansonsten würde ich nicht drüber schreiben.

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